Die Geschichte der Sportfreunde 03 Pasing

 

.... ist die eines Traditionsvereins mit Höhen und Tiefen, gespickt mit freudigen Ereignissen und Anekdoten, aber auch mit Schicksalsschlägen. Auch wenn sie hier aus verständlichen Gründen nur in groben Zügen umrissen werden kann, handelt es sich nicht nur um die Geschichte eines Sportvereins, sondern auch um einen untrennbaren Bestandteil der Geschichte des Stadtteils Pasing.

Am 6. August 1903 wurde im Gasthaus Storchenmühle ein Arbeiter-Turn-Verein von den vier Pasingern Max Pauli, Adam Horndasch, Nikolaus Rieger und Hans Leichtmann (siehe Bild) zusammen mit 40 weiteren Sportbegeisterten gegründet. Der damaligen sittenstrengen Zeit gehorchend, war nur Männerturnen erlaubt, Frauen mußten bis zum 6. Januar 1906 warten, als der Verein in "Freie Turnerschaft Pasing" umbenannt wurde und "Damen-Gesundheitsturnen" mit ins Programm aufnahm.

Mit Fußball hatte der Verein in seinen Gründungsjahren nichts am Hut, und die Gründung einer Fußballmannschaft, bestehend aus 13 Spielern, am 19. April 1913 glich in den Augen der streng konservativen Turner fast einer Revolution. Doch der Fußball setzte sich letztendlich durch, auch in der Freien Turnerschaft Pasing, wenngleich einige Hindernisse zu überwinden waren. So war es damals gar nicht so leicht, einen Ball und geeignetes Schuhwerk beizubringen.

Dem ersten Spiel am 20. Juli 1913, das gegen den FC Olympia mit 3:4 verloren wurde, folgte ein rasanter, aber leider nur kurzer Aufschwung - der 1. Weltkrieg stoppte den Sport. Heimgekehrt von den Schlachtfeldern, setzten die Pasinger 1919 ihren Sport fort, die Fußballer ab 1920, dem Jahr in dem sie in die A-Klasse aufsteigen, unter dem Namen "Union". Ein eigenes Vereinsheim wurde gebaut. Beim Spiel gegen Hansa München (1:1) zählte man 1.200 Zuschauer. Die Fußballer trennten sich 1922 von den Turnern und nannten sich "Sportfreunde Pasing".

Die Begeisterung hielt an bis zum Jahr 1933 in dem der nächste, diesmal völlige K.O.-Schlag erfolgte, als die Nazis die Arbeitervereine verboten und das gesamte Inventar und Vermögen beschlagnahmten. Das Vereinsheim diente der SA und wurde von einem SA-Mann angezündet, als die Besatzungsmächte bereits im Anmarsch waren. Es brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Einen Pasinger kann man vielleicht erschüttern, am Boden zerstört sehen wird man ihn nicht. So wurde am 20. Juni 1947 der Verein als Fußballverein "Sportfreunde 03 Pasing" wiedergegründet. Am Stadtpark wurde ein neues Vereinsheim gebaut, in dem so manches rauschende Fest gefeiert wurde. Die "03er" wußten aber nicht nur zu feiern, sondern auch Fußball zu spielen, wie der Aufstieg von der C-Klasse bis in die Landesliga belegt. Anfang der 50iger Jahre stieß auch der vielleicht berühmteste Sohn der 03er zum Verein - Rudi Frickel. Er war nicht nur zwischen 1963 und 1979 Bundesliga- Schiedsrichter und leitete als FIFA-Schiedsrichter einige Länderspiele, er war auch der erste Schiedsrichter überhaupt, der ein Bundesligaspiel abbrach - seinerzeit in Kaiserslautern (gegen Düsseldorf) wegen eines Flaschenwurfs.

Die gemütliche und lustige Zeit am Stadtpark ging zu Ende, als 1963 die Bezirkssportanlage an der Agnes-Bernauer-Str. samt Eisstadion und Westbad in Betrieb genommen wurde. Ohne Vereinsheim, das beim Bau aus welchen Gründen auch immer vergessen wurde, zerfielen Kameradschaft und Geselligkeit. Es kam was kommen mußte, die 03er wurden von der Landesliga bis in die B-Klasse durchgereicht, ein Punkt rettete sie vor dem weiteren Abstieg in die C-Klasse; die Jugendabteilung wurde aufgelöst.

1974 machten einige Pasinger Geschäftsleute den Karren wieder flott, so daß man 1976 auch den Jugend-Spielbetrieb wieder aufnehmen konnte. Mit der 1. Mannschaft ging es auf und nieder. Nach einigen erfolgreichen Jahren in der A-Klasse und dem Beziksligajahr 1980/81 wollte man vielleicht zu hoch hinaus. Es wurden Spieler geholt, die sich mit dem Verein nicht identifizieren konnten oder wollten, das Ergebnis war der Abstieg in die C-Klasse 1988. Hier wurde vom damals neuen 1. Vorsitzenden Robert Gschwendtner ein radikaler aber dennoch umsichtiger Schnitt gemacht. Eine neue Mannschaft, fast ausschließlich aus ehemaligen Jugendspielern - also "gewachsenen" Pasingern - bestehend, wurde aufgebaut. Bereits zwei Jahre später konnten die Niederungen der C-Klasse wieder Richtung B-Klasse verlassen werden. Die Meisterschaft wurde bereits einige Spieltage vor dem Ende der Saison gesichert.

In der B-Klasse spielen die Sportfreunde 03 Pasing auch heute noch. Das für die Saison 1996/97 gesetzte Ziel eines sicheren Mittelplatzes sollte erreicht werden, in der nächsten Spielzeit will man sich im oberen Tabellendrittel festsetzen. Aufbauend auf eine gute Arbeit im Jugendbereich sollte dies keine Utopie sein, und wer weiß, irgendwann ist auch vielleicht wieder mehr drin.

Jahrelang wurden Sportamt, Kommunalpolitiker, Oberbürgermeister und Staatsminister bekniet, die fast trostlose Situation an der Bezirkssportanlage zu ändern, mit dem Erfolg, daß vor einigen Jahren ein neuer Kabinenbau errichtet wurde. Das dringend benötigte Vereinsheim wurde jedoch leider nicht erbaut. Daher müssen die Räumlichkeiten der Gaststätte im angrenzenden Eisstadion genutzt werden. Mit dem Wirt der Gaststätte war es für die 03er anfangs nicht immer einfach, aber im Laufe der Zeit hat man sich zusammengerauft. Die Pasinger sind dabei getreu dem Motto verfahren, daß man sich mit seinen Feinden verbünden soll, wenn man sie nicht besiegen kann. So haben sie den Wirt, Herrn Peter Altinger, am 30. April 1995 zu ihrem 1. Vorsitzenden gewählt. Peter Altinger führt das Werk von Robert Gschwendtner mit gleicher Umsicht und Energie fort...

Fußballweisheit

Früher in der alten Zeit
war der Sport noch nicht so weit.
Damals mußt´ man sich noch plagen,
Stangen, Latten, Sägkleim tragen,
Schafmist z´sammklaubn, Platz markieren,
keiner tat sich da genieren.
Mei, was waren wir für Kälber,
Reisen zahlten wir uns selber.
Trainer hat kein Mensch noch kennt,
wir san halt dem Ball nachg´rennt.

Unser Lebenslauf in Kurzform

1903
Am 6. August erste Versammlung und Grundsteinlegung zum Arbeiter-Turn-Verein

1904
Hugo Ließmann fungiert als Turnrat, Max Pauli ist Kassier

1905
Ab Oktober erstes männliches Jugendturnen. 2-Jahres-Feier

1913
Gründung der Fußballabteilung am 19. April. Erstes Spiel am 20. Juli gegen FC-Olympia
Endstand: 4-3

1915-1918
auf Grund des 1. Weltkrieges kein Spielbetrieb

1920
Die Fußballabteilung trägt nun den Namen "UNION" und steigt in die A-Klasse auf.
Beim Spiel UNION Pasing - Hansa sahen sage und schreibe 1.200 Zuschauer ein 1:1

1922
Der Verein stellt die Fußballabteilung auf eigene Füße.
Die Geburtsstunde der Sportfreunde Pasing als eigenständiger Verein

1928
25-Jahr-Feier mit Fußball und Leichtathletik

1933
Machtergreifung Adolf Hitlers. Verbot von Arbeiter-Vereinen. Beschlagnahmung des gesamten Inventars und Vermögens.

1947
Wie der "Phönix aus der Asche" wurden am 20. Juni die Sportfreunde Pasing wieder in´s Leben gerufen.

1948
Überlassung des Spielfeldes an der Lochhamer Straße. Bau des Vereinsheimes.

1953
50-Jahr-Feier. B-Klassenmeister in der Gruppe 6 mit 3 Punkten Vorsprung

1955
Aufstieg in die 2. Bezirksliga

1963
Geschafft. Wir sind in der Landesliga

1966
Wieder in der Bezirksliga

1967
Wiederaufstieg

1970
Runter bis in die A-Klasse

1970 - 1978
Mal A-, mal B-Klasse. Pokalerfolg in der 7. Runde über Unterhaching. Unter den letzten 16.

1996
Erste Homepage von SF 03 Pasing im Internet

1998
Unsere F1-Junioren sind Münchner Stadtmeister
(Finale gegen TSV 1860 München gewonnen)